HowTo: Etwas Linux-Feeling unter Windows [Update]

Ich bin ein passionierter Linux-User, aber leider kann ich nicht überall Linux benutzen. Insbesondere bei meiner Arbeitsstelle habe ich keine Wahl und muss den Windows Rechner verwenden, den man mir vorsetzt. Einige Linux-Features vermisse ich aber schon sehr, wenn ich einen Windows Rechner verwende, wie z.B. ein Multi-Clipboard oder die Möglichkeit in Fenstern zu scrollen, ohne ihnen den Fokus geben zu müssen. Glücklicherweise habe ich zwei Tools gefunden, mit denen ich diese Features unter Windows nachrüsten kann.

AltDrag

AltDrag Logo

AltDrag Logo (Quelle: [1])

Das erste Tool, dass ich euch vorstellen möchte, ist AltDrag. Der Name ist hier Programm 🙂 denn es erlaubt euch Fenster zu verschieben, indem ihr ALT drückt und dann irgendwo in das Fenster klickt. Dies ist ein Feature, das quasi jeder Linux-Desktop anbietet und ich vermisse es unter Windows schon sehr, wenn ich auf diese Weise nicht schnell und einfach meine Fenster anordnen kann. AltDrag bietet außerdem die Möglichkeit, ein Fenster zu maximieren, wenn man es an den oberen Bildschirmrand zieht, oder es auf die hälfte der Bildschirmfläche zu vergrößern, indem man es an eine der beiden Seiten des Bildschirms zieht.

AltDrag hat noch ein weiteres Feature, welches ich eigentlich noch mehr vermisst habe, als Fenster per ALT-Klick zu verschieben: Man kann in Fenstern scrollen, ohne ihnen den Fokus geben zu müssen. Man muss lediglich mit der Maus über das Fenster fahren, in dem man scrollen möchte, und schon kann man loslegen. Ich habe mich unter Linux sehr an diese Eigenschaft gewöhnt und finde es äußerst nervig, jedes Mal in ein Fenster klicken zu müssen, bevor ich darin scrollen kann. Das Ganze funktioniert auch, wenn man ein Fenster mit mehreren, scrollbaren Bereichen hat – hier entscheidet einfach die Position der Maus, welcher Bereich gescrollt wird. Ich weiß, die meisten Windows Benutzer werden nicht verstehen können, wie man so etwas vermissen kann, aber glaubt mir wenn ich sagen, dass ihr es lieben werdet, sobald ihr euch mal daran gewöhnt habt.

Ditto

Wie bereits erwähnt wollte ich auch ein Multi-Clipboard haben, d.h. ich möchte ein Programm, dass mir die letzten Einträge der Zwischenablage anzeigt, so dass ich alte Einträge der Zwischenablage nochmals verwenden kann. Hierfür gibt es eine Menge Programme, die einem so etwas anbieten, wobei Ditto sich für mich als beste Wahl heraus gestellt hat. Es ist Open Source und bietet eine Menge Features. Besonders mag ich den Shortcut, der einem direkt an der Mausposition in einem Fenster die letzten Einträge der Zwischenablage anzeigt, so dass man mit einem Klick einen alten Eintrag wieder aktivieren kann.

Ditto

Ditto (Quelle: [2])

ConsoleZ

Sicherlich nicht alle aber viele Linux Nutzer verwenden gerne die Konsole um tägliche Aufgaben zu erledigen. Es ist schlicht und ergreifend in vielen Fällen einfacher einen Befehl einzutippen, selbst wenn dieser kompliziert ist (oder erscheinen mag), als Aktionen mit Maus und Tastatur auf der Oberfläche auszuführen. Auch für Windows gibt es den einen oder anderen Grund, die Konsole zu verwenden, spätestens jedoch wenn man Software entwickelt und z.B. einen Build auf der Konsole starten will.

Umso nerviger ist es dann, wenn man die in Windows integrierte Konsole verwenden muss: Nicht nur, dass man nicht wie in jeder anderen Anwendung auch, Text markieren, kopieren und einfügen kann – man kann das Fenster der Windows-Konsole nicht mal nach belieben vergrößern oder verkleinern. Mal im Ernst, Microsoft, ich weiß diese Konsole gibt es vermutlich seit Windows 95, aber hättet ihr da nicht mal ein Bisschen Zeit investieren können? Zum Glück gibt es mit ConsoleZ Abhilfe, einer modifizierten und verbesserten Version von Console2: Neben so “netten Kleinigkeiten” wie Copy-Paste und beliebiger Größenänderung des Fensters, kann man hier vom Aussehen bis zu den Tastaturkürzeln auch sonst jeden Schnick und Schnack einstellen. Allen, die das Linux-Feeling unter Windows perfektionieren wollen und Cygwin oder MinGW installiert haben, sei auch gesagt, dass man die Shell, mit der ConsoleZ startet, nach belieben einstellen kann, so dass direkt beim Start auch schon die Bash läuft. 🙂

VirtuaWin

Als Klassiker bei den Nachbauten von Linux-Features für Windows sei hier noch kurz VirtuaWin erwähnt. Die Software bietet die Möglichkeit, mehrere Desktops zu haben, auf denen die unterschiedlichen Fenster untergebracht sind. Effektiv umgesetzt wird das (vermutlich) dadurch, dass bei einem Wechsel des Desktops die Fenster, die auf anderen Desktops sind, minimiert und aus der Windows-Leiste entfernt. So oder so funktioniert das ganze echt gut und bietet Abhilfe, wenn man (zu) viele offene Fenster hat.

Außerdem möchte ich noch das Modul KvasdoPager empfehlen: Es bietet eine zusätzliche “Symbolleiste” für die Windows-Leiste, in der die verschiedenen Desktops mit ihren Fenstern angezeigt werden. Eben genau so, wie man es z.B. von KDE gewöhnt ist. 🙂

Zusammenfassung

Alle Tools sind portable, d.h. man kann sie verwenden ohne sie installieren zu müssen – herunterladen, abspeichern, ausführen, fertig. Dies ist besonders wichtig wenn man einen Windows Rechner verwendet, an dem man keine Administratoren Rechte hat, um Programme zu installieren.

Ich habe außerdem nach einem Programm gesucht, welches einem die Möglichkeit bietet Text einfach zu markieren und per Mittelklick mit der Maus wieder einzufügen. Leider konnte ich jedoch keines finden, das meinen Ansprüchen genügt hat. Wenn ihr also eines kennt, welches dies kann ohne die Zwischenablage zu verändern, sagt mir bescheid.

 

Edit 2015-07-15: ConsoleZ und VirtuaWin hinzugefügt

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