Erfahrungsbericht: Sony RX-100 mit Hydronalin Unterwassergehäuse

Sony-RX100 mit Hydronalin MPK-RX100 PRO UnterwassergehäuseIn einem meiner letzten Beiträge hier habe ich ein paar Bilder von unserem letzten Urlaub in Hurghada (Ägypten) gezeigt. Da Ägypten ja bekannt für seine guten Tauch-Spots und die dortige Vielfalt an Fischen ist, habe ich quasi direkt nach dem Buchen der Reise damit angefangen, eine Kamera fürs Tauchen zu suchen. Schlussendlich habe ich mich für die Sony RX-100 zusammen mit dem Hydronalin MPK-RX100 PRO Unterwassergehäuse entschieden.

Die Kamera

Zu Beginn meiner Suche habe ich erstmal auf verschiedenen Shopping-Seiten nach Unterwasserkameras gesucht. Hier findet man aber nur Mittelklasse-Kameras, die meist bis etwa 12m wasserdicht sind und damit mehr als Stand- und Schnorchel-Kamera taugen, jedoch nicht zum Sporttauchen. Im anderen Extrem findet man dann (Semi-)Professionelle DSLR-Kameras, bei denen allein schon ein passendes Gehäuse mehr gekostet hätte, als der komplette Urlaub für zwei Personen.

Schließlich bin ich dazu übergegangen, in Foren und bei Google nach Erfahrungsberichten und Empfehlungen zu suchen. Kameras von Canon waren hier immer hoch im Kurs, da Canon wohl für die meisten seiner Kompaktkameras selbst ein passendes Unterwassergehäuse anbietet und die Kameras außerdem einen speziellen Unterwassermodus integriert haben. Je tiefer man taucht, umso mehr wird der langwellige Anteil des Lichts durch das Wasser gefiltert, so dass schon bei geringen Tauchtiefen der Rot-Anteil im Licht verschwunden ist, was das Bild blaustichig und flau erscheinen lässt. Der spezielle Unterwassermodus der Canon-Kameras versprach an dieser Stelle Abhilfe zu schaffen, so dass man direkt die Ergebnisse auf der Kamera betrachten kann. Im Endeffekt handelt es sich aber hierbei vermutlich auch nur um einen optimierten Weißabgleich und ein paar andere digitale Tricks, welche man aber am PC auch selbst hin bekommt. Wer sich für die Problematik des unter Wasser gefilterten Lichts weiter interessiert, findet bei Wikipedia eine recht gute Erklärung zur Sicht unter Wasser.

Ein weiterer, wichtiger Aspekt bei meiner Suche war auch, dass außer der Farb-Filterung durch das Wasser mit zunehmender Tiefe einfach weniger Licht vorhanden ist, das man noch zum Fotografieren benutzen kann. Im Gegensatz zu einem passenden Weißabgleich kann man dies jedoch nicht einfach und sauber digital Kompensieren, sondern hier kommt es wirklich auf die Hardware an.

Ein befreundeter Fotograf empfahl mir dann die Sony RX-100: Als einer der wenigen Kompaktkameras verbaut Sony in der RX-100 einen 1″ großen Sensor, der somit ein gutes Stück größer als die Sensoren der meisten Kompaktkameras ist. Ich hatte mich damals für die erste Version der RX-100 entschieden (MK1), da für mich die Verbesserung der Bildqualität (auf was es mir effektiv an kam) im Vergleich zur MK2 oder MK3 es nicht wert war, über 100€ mehr zu investieren. Die weiteren technischen Details der Kamera könnt ihr auf der Sony Homepage oder bei diversen Preisvergleichsseiten nachlesen.

Das Gehäuse

Nun zum interessanten Teil – dem Unterwassergehäuse MPK-RX100 PRO von Hydronalin. Hierbei habe ich zugegebenermaßen das günstigste Gehäuse gewählt, das aber laut Rezensionen und meinen Erfahrungen nach sehr gute Dienste leistet und darüber hinaus mit 40m maximaler Tauchtiefe bis an die Grenze des normalen Sporttauchens die Kamera schützt. Das Gehäuse passt für die Sony RX-100 MK1 und MK2 , jedoch laut Herstellerangaben nicht für die MK3. Innerhalb des Gehäuses wird die Kamera mit vier Gummi-Stücken fest gehalten, so dass man keine Kratzer an der Kamera befürchten muss.

Im Vergleich zu anderen Gehäusen, sind fast alle Knöpfe und Räder der Kamera auch im Gehäuse erreichbar, lediglich das Drehen des Vier-Wege Buttons auf der Rückseite ist mit dem Gehäuse nicht möglich. Sofern man aber nicht unbedingt Zeit und Blende gleichzeitig manuell regeln möchte, ist dies nicht tragisch: Im Zeitautomatik- oder Blendenautomatik-Modus der Kamera kann man die Blende bzw. Zeit auch über den Objektivring einstellen, welcher auch im Gehäuse bedienbar ist. Der Objektivring wird dabei durch eine Gummi-Walze gedreht; zumindest bei meinem Gehäuse dreht diese jedoch gern einmal durch, so dass man an dem sowieso schon recht kleinen und fummeligen Einstellrad noch weiter drehen muss als sowieso schon notwendig, um die gewünschte Einstellung zu erzielen. Vermutlich liegt das daran, dass die Kamera zur Seite hin im Gehäuse nicht fest genug abgestützt wird und beim Drehen deshalb nicht genügend Druck auf den Objektivring aufgebaut werden kann.

Das Modus-Wahlrad kann über eine ähnliche Gummi-Walze bedient werden; dieses funktioniert jedoch tadellos, da durch das Zuklappen des Gehäuses die Walze mit entsprechendem Druck auf dem Wahlrad aufliegt. Der Zoom-Hebel der Kamera liegt innerhalb des Gehäuses in einem Kunststoff-Hebel mit passenden Nasen zu den Seiten hin, so dass zoomen ohne Probleme funktioniert. Alle anderen Knöpfe und das Vier-Wege Kreuz sind über einzelne Knöpfe nach außen ausgeführt und können normal bedient werden.

Für den Objektiv-Tubus wird eine recht stramm sitzende Objektiv-Kappe mitgeliefert, welche mit einem Band an der Kamera befestigt ist, so dass man sie nicht verlieren kann. Den Blitz kann man innerhalb des Gehäuses auch benutzen, jedoch kann dieser im Gehäuse nicht voll ausfahren, was aber nicht weiter stört. Für den Blitz hat das Gehäuse noch einen Diffusor eingebaut, der u.A. verhindern soll, dass Sediment im Wasser das Blitzlicht zu stark reflektiert und dann als helle Punkte im Bild sichtbar ist. Hinter dem Diffusor finden sich auch passende Anschlüsse, um einen Slave-Blitz mit einem Lichtleiterkabel zu betreiben. Für weiteres Zubehör findet sich auf der Oberseite des Gehäuses ein Blitzschuh und auf der Unterseite ein 1/4″ Stativgewinde. Wer möchte kann sich auch einen passenden Farbfilter kaufen und vorne in den Objektiv-Tubus einschrauben, um die genannten Probleme mit dem fehlenden Rot-Anteil im Licht auszugleichen.

Das Gehäuse wird in einem recht dünnen aber weichem Säckchen geliefert, welches im Reisekoffer zumindest einen kleinen Schutz bietet. Außerdem wird noch ein zusätzlicher O-Ring, ein Microfaster Reinigungstuch und ein Band mitgeliefert, mit dem man sich die Kamera incl. Gehäuse um den Hals hängen kann.

Meine Erfahrungen

Mit dem Unterwassergehäuse bin ich sehr zufrieden: Es ist robust und gut verarbeitet und vermittelt einen wertigen Eindruck. Durch den Blitzschuh. das Stativgewinde und die Anschlüsse für Lichtleiterkabel für externe Slave-Blitze kann man sich auch im Nachhinein noch Zubehör dazu kaufen, wenn man tiefer in die Materie einsteigen möchte. Besonders geschickt finde ich auch, dass man noch Farbfilter in den Objektivtubus einschrauben kann. Die Bedienelemente sind für die Kamera optimal und auch unter Wasser gut zu bedienen. Ausnahme stellt hier das genannte Rad für den Objektivring dar, was ich aber auch gleich wieder relativieren muss: Ich bin zwar nur Amateur-Taucher und Amateur-Fotograf, jedoch würde ich sagen, dass man unter Wasser eigentlich weder Zeit, noch Geduld, noch Luft hat, um ewig lange an der Kamera herum zu stellen, um das perfekte Bild zu machen. Aus meiner Erfahrung hat man – insbesondere wenn man in einer Gruppe unterwegs ist – nur die Zeit für Point-and-Shoot. Mit viel Glück will man vielleicht mal die Blende einstellen, aber bei der überwiegenden Zahl der Bilder will mal vermutlich einfach etwas Knipsen. Dementsprechend reicht der Automatik-Modus mit vorab angepasstem Weißabgleich und ein Wenig Zoomen meist vollkommen aus. Bezüglich des Zooms sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass das Wasser einen vergrößernden Effekt hat, so dass man unter Wasser mit der Kamera effektiv eine größere Brennweite hat, als über Wasser.

Kurz erwähnt sei auch, dass das Band, mit dem die Objektivkappe an der Kamera vor Verlust gesichert ist, relativ lang ist und mir deshalb einige Male das Band oder die Objektivkappe selbst ins Bild geschwommen sind. Eine einfache und effektive Lösung ist, die Objektivkappe vor dem Tauchgang vom Objektivtubus abzunehmen und durch die Handschlaufe zu stecken. Dadurch kann sie eigentlich nie irgendwo hin kommen, wo sie stören könnte.

Leider hatte ich keine Zeit, mich ordentlich mit der Materie zu befassen, so dass ich einige (Anfänger-)Fehler beim Fotografieren gemacht habe. Beispielsweise bin ich davon ausgegangen, dass es am Besten ist, ständig mit Blitz zu fotografieren, da man ja sowieso wenig Licht hat und das Bisschen Licht, das man hat, auch noch verfälscht ist. Meistens war ich von dem fotografierten Objekt jedoch so weit weg, dass der integrierte Mini-Blitz gar nicht bis zum Objekt gereicht hat. In den Fällen, in denen ich nahe genug dran war, hatte ich dann aber einen Effekt, der mich beim Nachbearbeiten viel Zeit gekostet hat: Die Stellen im Bild, die durch den Blitz aufgehellt wurden (also meistens die Bildmitte oder Objekte, die nahe waren), bekamen durch den Blitz Licht mit allen Farben ab, die weiter weg gelegenen Objekte jedoch nur das gefilterte Umgebungslicht. Beim Nachbearbeiten konnte ich mich dann entscheiden, entweder einen passenden Weißabgleich für die Mitte oder für die Ränder des Bildes einzustellen – einen akzeptable Mittelweg gab es meist leider nicht. Dementsprechend musste ich dann bei vielen Bildern manuelle Farbkorrekturen durchführen, weil zu den Rändern dann ein roter oder pinker Farbverlauf zu sehen war. Insofern würde ich beim nächsten Tauchgang den integrierten Blitz nicht nochmal verwenden sondern entweder ohne Blitz fotografieren oder mir noch einen speziellen Unterwasserblitz kaufen.

Besonders gut finde ich auch, dass man die Sony RX-100 ganz unabhängig vom Gehäuse auch als ganz normale Kompaktkamera benutzen kann. Dementsprechend muss man jetzt nicht einige hundert Euro für eine spezielle Unterwasserkamera investieren, die dann aber 95% der Zeit im Schrank liegt, um auf den nächsten Tauchgang zu warten. Zumindest bei der RX-100 MK1 finde ich jedoch das Bildrauschen in den RAW-Bildern bereits bei ISO 200 schon sichtbar. Die kamerainterne Nachbearbeitung reduziert das Bildrauschen in den JPEGs zwar, jedoch sind JPEGs für die Unterwasserfotografie leider wenig geeignet, da man bei diesen bei der Nachbearbeitung am PC insbesondere beim Weißabgleich einfach zu wenig Möglichkeiten hat und eigentlich zwingend in RAW fotografieren muss. Glücklicherweise gibt es Programme wie Darktable oder RawTherapee mit recht ausgefeilten Algorithmen, um das Rauschen wieder herauszurechnen.

Zusammenfassung

Insgesamt bin ich mit der RX-100 zusammen mit dem Hydronalin Gehäuse als Unterwasserkamera sehr zufrieden und würde die Kombination so auch wieder kaufen. Etwas mehr Einarbeitung und Erfahrung hätten mir beim Nachbearbeiten der Bilder vermutlich einiges an Zeit gespart – aber jeder Fängt mal klein an 😉

Abschließend sei noch erwähnt, dass Canon mittlerweile nachgezogen hat und mit der PowerShot G7 X ebenfalls eine Kompaktkamera mit 1″ großem Sensor anbietet. Hätte es zu der Zeit, zu der ich die RX-100 gekauft habe, diese Kamera schon zu einem vergleichbaren Preis gegeben, hätte ich dieser eventuell aufgrund der besseren Unterstützung für Unterwasseraufnahmen den Vorzug gegeben. Da sich die Frage für mich aber nicht mehr stellt und ich keine weiteren Infos zu der G7 X habe, soll das nur eine Anregung sein, die Kamera bei einer Kaufentscheidung vielleicht mit einzubeziehen.

Nachtrag 2015-06-13

Hier noch eine Rückfrage eines Lesers, welche ich per Mail beantwortet habe:

Ist der Monitor unter Wasser gut Sichtbar oder ist ein Blendschutz notwendig um  alles gut erkennen zu können?
Ich kann mich eigentlich nicht dran erinnern, dass ich etwas auf dem Display nicht sehen konnte, weil die Umgebung zu hell war. Einen Blendschutz brauche ich zumindest nicht.
Wenn man jedoch aus einem spitzeren Winkel auf das Display schaut, beispielsweise wenn man die Kamera nicht direkt vor sich sondern eher unter sich hält, kann man das Display auch nur noch teilweise erkennen. Das liegt aber daran, dass die Brechung des Plastik-Gehäuses einem hier einen Strich durch die Rechnung macht. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass das Display ca. 1cm vom Gehäuse entfernt ist. Dieses Problem werden aber vermutlich die meisten anderen, ähnlichen Gehäuse haben und ich wüsste akkut auch nicht, wie man das verhindern könnte… Effektiv fällt das aber wenig ins Gewicht und tritt auch nicht häufig auf, so dass ich das als vernachlässigbar ansehe.

3 thoughts on “Erfahrungsbericht: Sony RX-100 mit Hydronalin Unterwassergehäuse”

  1. Hallo, ein sehr guter Bericht, danke hierfür. Ich habe dieselbe Kombi seit 2014 im Einsatz, allerdings schaltet sich bei längerem UW Filmen das Display ab bzw. wird dunkel. Sony tauschte meine RX100, doch auch bei der “neuen” RX100 tritt dieser Effekt auf. Hast Du auch gefilmt und falls ja wie lange und in welchen Abfolgen?
    lg
    Michael

    1. Hallo Michael,
      ich habe gerade mal versucht dein Problem nachzuvollziehen, jedoch hat es bei mir soweit gut funktioniert: Ich hab meine Kamera einfach mal auf den Tisch gestellt und filmen lassen. Nach ziemlich genau 30min Film hat die Kamera dann aber selbstständig die Aufnahme beendet. Akku und Speicherkarte hatten beide noch Restkapazitäten, so dass es daran nicht gelegen haben kann. Mir ist aber aufgefallen, dass die Kamera dabei merklich warm wird, wenn auch nicht so warm, als dass ich das als gefährlich oder auch nur für den Filmenden als unangenehm warm bezeichnen würde. Trotzdem vermute ich aber ein Sicherheits-Feature der Kamera, die sie vor Überhitzung schützen soll – oder eine andere Limitierung der Kamera. Ich habe daraufhin den Test mit UW-Gehäuse wiederholt, jedoch das selbe Ergebnis erhalten: Nach 30min war Schluss.
      Ich habe unter Wasser immer nur max. einige Minuten am Stück gefilmt und auch nur selten, da es deutlich aufwändiger ist, ein UW-Video nachzubearbeiten, als ein RAW-Bild. Insofern vermute ich, dass das nicht dem entspricht, was du gemacht hast.
      Wie lange sind denn bei dir “längere UW-Filme” 🙂 ? Hast du die Probleme denn auch über Wasser? Geht bei dir nur das Display aus oder die ganze Kamera?

      Grüße
      Andreas

      1. Auch wenn es schon etwas her ist, hier kurz notiert der Grund für die maximale Länge eines Videos von 30min: Um Zollgebühren zu sparen haben Digitalkameras (nicht Video-Kameras!) ein in die Firmware eingebautes Limit von max. 30min Video am Stück. Kann eine Kamera mehr als diese 30min am Stück aufnehmen, werden Zollgebühren fällig, die man bei einer Kamera, die mehr zum Fotografieren, als zum Filmen gedachten ist, sich gerne spart.

        Weitere Infos gibt’s z.B. hier:
        http://www.heise.de/foto/meldung/Hintergrund-Woher-kommt-die-30-Minuten-Video-Aufnahmegrenze-bei-Digitalkameras-3195182.html

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